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Die Stiefmutter ist eine Wellensittichhenne

Folgende Zeilen dürften nach meinen Recherchen für den einen oder anderen Züchter nichts neues sein, trotzdem hörte ich persönlich noch nie von einem solchen Fall, darum möchte ich gerne folgende Erfahrung von Simon Klomfar weitergeben.

Vor kurzem rief mir mein Vereinskamerad Simon an und berichtete mir von einem Ereignis in seiner Zucht, von welchem er selber vor Jahren einmal gehört aber nicht gesehen hatte.

Eines seiner Rußköpfchenpaare fütterte die Jungen nicht an. Unglücklicherweise hatte er kein weiteres Paar in der Zucht, welches zeitgleich Eier hatte. Aus diesem Grund legte er das letzte befruchtete Ei des Rußköpfchenpaares einem Wellensittichpaar unter, welches zeitgleich befruchtete Wellensitticheier liegen hatte. Zunächst schlüpften die ersten Wellensittiche, als dann das Rußköpfchen schlüpfte, war Simon sehr gespannt was mit ihm passieren wird. Die ersten Stunden musste er feststellen, dass das frisch geschlüpfte Rußköpfchen leider einen leeren Kropf hatte, darum entschied er sich zur Handfütterung und legte das kleine Vögelchen nach der Fütterung immer wieder in den Nistkasten der Wellensittiche zurück. Als er am Morgen des dritten Tages wieder von Hand füttern wollte, stellte er zu seiner Überraschung fest, dass der Kropf des Rußköpfchens schon etwas gefüllt war. Nun wollte er es genau wissen und hat auf eine weitere Zufütterung von Aufzuchtsfutter verzichtet. Am Morgen des vierten Tages freute er sich dann sehr als er die Rußköpfchen Nachzucht mit ordentlich vollem Kropf sah. Simon war und ist der Meinung, dass das Junge sich den Bettelrufen der Wellensittichbabies angepasst hatte und somit von der Wellensittichhenne mitgefüttert wurde. Bei Entwicklung der „gemischten Jungen“ konnte Simon beobachten, dass die Wellensittiche einiges schneller wuchsen, sie hatten auch immer die Kröpfe etwas voller als Ihr Stiefgeschwisterchen.

Diese unterschiedliche Entwicklungsgeschwindigkeit war kritisch, da das Absetzen des Rußköpfchens zeitlich später als das der Wellensittiche stattfinden musste. Kritisch deswegen, da manche Wellensittichhennen beim Beginn der neuen Brut wie bekannt recht ruppig werden und auch mal einen Jungvogel attackieren. Alles in allem ging es in diesem Fall aber gut und das kleine Rußköpfchen überstand „zunächst“ alles unbeschadet. Leider hatte Simon zu diesem Zeitpunkt noch zu wenig Erfahrung was das Absetzten des Rußköpfchen- Jungen von seinen Stiefeltern betraf. Es stellte sich heraus, dass das Absetzen zu früh war und das kleine Rußköpfchen bedauerlicherweise starb. Nun sollte man denken, dass dies ein gut gemeinter aber erfolgloser Versuch war, dem ist aber nicht so.
Er setzte gezwungenermaßen zu einer weiteren „Umlegeaktion“ an und fing wie oben beschrieben alles noch einmal von vorne an da ein weiters Rußköpfchenpaar seine Jungen nicht anfütterte. Das erstaunliche war dabei, dass es ein anderes Wellensittichammenpaar als das zuvor gewesen ist, sonst lief alles nahezu identisch. Aufgrund der gemachten Erfahrungen, verblieb das junge Rußköpfchen nun länger bei seinen Stiefeltern, so dass es als Selbständiger Jungvogel abgesetzt werden konnte.

Simon kann rückblickend folgendes Fazit weitergeben: Zu Beginn sollte von Hand zufüttert werden bis die Wellensittichhenne füttert und es müssen noch „gleich alte“ Wellensittichbabies im Kasten sein. Beim Absetzen muss man gegebenenfalls noch einmal von Hand zufüttern.

Nachfolgend möchte ich noch ein paar Zeilen zu Rußköpfchen und zu Wellensittichen schreiben, um einfach den Unterschied darzustellen.

Das Rußköpfchen (Agapornis nigrigenis) ist eine Art aus der Gattung der Unzertrennlichen. Gemeinsam mit den anderen Arten dieser Gattung sowie dem Graupapagei, den Langflügelpapageien, dem Halsbandsittich und den auf Madagaskar endemischen Vasapapageien zählt diese Art zu den typischen Papageienarten der Afrotropis. Männchen und Weibchen lassen sich optisch nicht unterscheiden. Rußköpfchen wurden eine ganze Zeit lang als Unterart der Schwarzköpfchen angesehen. Sie sind mit circa 14 Zentimeter etwas kleiner als diese Art, ähneln ihr aber im übrigen Erscheinungsbild. Das Körpergefieder ist größten Teils grün. Es fehlen jedoch der gelbe Hals und die gelbe Brustpartie, die für das Schwarzköpfchen charakteristisch ist. Der Kopf ist dunkelgrau. Um die Augen haben Rußköpfchen einen weißen Irisring und die Schnabelfarbe ist leuchtend rot.
Rußköpfchen bewohnen in der Natur offenes Waldland. Sie sind darauf angewiesen, dass es in ihrem Lebensraum offene Wasserstellen gibt. In Trockenzeiten, wenn diese Wasserstellen trocken fallen, wandern die Vögel in großen Schwärmen ab. Rußköpfchen fressen überwiegend Grassamen sowie die kleinen Samen anderer Pflanzen. Während der Reifezeit von Mais, Getreide und Hirse.

Der Wellensittich (Melopsittacus undulatus) ist eine Vogelart, die zur Familie der Papageien (Psittacidae) gehört. Die Wildform des Wellensittichs ist hellgrün und hat eine intensive Wellenzeichnung. Wellensittiche sind im Freiland wohl eine der individuenreichsten Papageienarten Australiens, deren Bestand jedoch in Abhängigkeit der vorherrschenden klimatischen Bedingungen schwankt. Sie leben in großen Schwärmen und halten sich gerne am Rande großer Eukalyptuswäldern auf, dort bieten unter anderem Astlöcher Nistgelegenheiten. Wellensittiche wurden in Europa ab circa 1860 als Ziervogel gehalten. Bereits in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden diese reizvollen und geselligen Vögel in großer Zahl gezüchtet. Heute ist der Wellensittich die vermutlich am häufigsten gehaltene Papageienart weltweit. Wellensittiche fressen in der Natur vor allem verschiedene Sämereien und Wildgräser. Sie sind darauf angewiesen, dass es in ihrem Lebensraum offene Wasserstellen gibt.

Foto WS: Timo Harr, Foto Rußköpfchen in der Hand: Timo Harr, Foto Rußköpfchen Dieter Hockenberger => nach Rücksprache

Verfasser: Timo Harr
78658 Horgen
Tel.0170-2339281
timo.harr@t-online.de
www.timo-harr.de
www.Schauwellensittichzucht-harr.deTimo Harr • Forchenweg 1 •  Horgen